Was nach seinem aktuellen Artikel passierte, war da vergleichsweise harmlos. Es folgten – schnell verworfene und aussichtslose – Überlegungen, seine Seite mit massenhaften Zugriffen über Bot-Netze zu stören. Es hagelte außerdem Memes, also Bilder und Bildmontagen, in denen Krebs oft auch verletzend angegangen wurde.
pr0gramm ist für rauen Humor bis über die Schmerzgrenze bekannt, Meinungsfreiheit wird dort auch mit Schockbildern gelebt, die selbst extrem überforderte Facebook-Content-Moderatoren sofort löschen würden. Ein Administrator postete in Sachen Krebs eine Mahnung: Jegliche Vergeltungsaktionen würden nur pr0gramm schaden. "Bleibt sachlich und höflich", so die Bitte.
Am Dienstagabend änderte sich die Auseinandersetzung dann, nachdem ein Nutzer, "BassT87", einen Screenshot als Beleg für eine 25-Euro-Spende an die Krebshilfe postete. "Ich habe den Rummel um Herrn Krebs mal zum Anlass genommen, meinen Teil gegen Krebs beizutragen. Vielleicht macht der ein oder andere es ja (statt dem drölftausendsten Meme) ja nach...". Bereits frühmorgens hatte ein Nutzer "Xari" die Idee auch gepostet, aber ein Posting um 5.03 Uhr findet selbst bei pr0gramm-Nutzern wenig Beachtung. "BassT87" trat dann aber die Welle los – und lässt manche Nutzer beinahe glückselig staunen, zu was die Community in der Lage ist.
Den Unmut hat sich Brian Krebs zugezogen mit einem Text zu Coinhive. Das ist eine Software, die Seitenbetreiber einsetzen können, um die Rechner nichtsahnender Besucher zum "Schürfen" nach Kryptowährung einzusetzen. "Motherboard" nennt sie "die fieseste Malware des Jahres". Mehr als eine Milliarde Nutzer im Monat stellen den "Crypto-Jackern" unfreiwillig Rechnerleistung zur Verfügung. Krebs enthüllte, dass der Spieleentwickler und pr0gramm-Gründer Dominic Szablewski Coinhive entwickelt hat.
Szablewski hat das auch inzwischen selbst in einem Blog-Beitrag erklärt. Obwohl er bei pr0gramm lange ausgeschieden sei, habe er dort mit dem Prototyp einer solchen Schürfsoftware testen dürfen. Das war ein Erfolg, er gründete Coinhive.
Was die pr0gramm-Nutzer nun so empört: Krebs machte auch Informationen von aktuellen Beteiligten an pr0gramm öffentlich – und Anonymität und Datenschutz sind den Nutzern und Betreibern heilig. Zwei Administratoren schreiben in einem Statement, dass man versucht habe, nach massiven Drohungen die Identität der Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Mit Coinhive habe man nichts zu tun – das war aber die Rechtfertigung von Krebs, die Identitäten öffentlich zu machen. Die Betreiber deuten an, dass sie auch gut ohne pr0gramm leben könnten und sich in den nächsten Tagen zeigen werde, wie es weitergeht. Nutzer hoffen, dass die Spenden gegen Krebs Eindruck machen.