
War David S. ein Amokläufer oder ein Attentäter? Seine Tat lässt mehrere Schlüsse zu. Und erinnert doch an das Massaker des Anders Behring Breivik.
Bei der Glock 17, Kaliber neun Millimeter, mit der der Schüler David S. am Freitagabend in München neun Menschen und sich selbst erschoss, handelt es sich um eine reaktivierte ("reaptierte") Theaterwaffe. Entsprechende Informationen der SZ bestätigte der Präsident des bayerischen Landeskriminalamts (LKA), Robert Heimberger, am Sonntag auf einer Pressekonferenz. Das Beschusszeichen stammt von 2014. Danach war die Waffe nicht mehr scharf, allerdings wurde sie irgendwann in der Folge - wann und durch wen ist noch nicht bekannt - wieder gebrauchsfähig gemacht. Die Waffe trägt ein Prüfzeichen aus der Slowakei; was bedeutet, dass die Pistole irgendwann in der Vergangenheit in dem Land gewesen ist.
Beschafft hatte David S. die Waffe über das Internet, es gebe einen Chatverlauf im Darknet, der darauf schließen lasse, sagte LKA-Präsident Heimberger. Das Darknet ist eine Art geheimes Web, eine Parallelwelt zum Netz aus Facebook, Amazon und den Nachrichtenseiten, das die meisten Nutzer kennen. Die Seiten im Darknet lassen sich nur aufrufen, wenn man die richtige Software verwendet und genau weiß, wo man suchen muss. Häufig nutzen Kriminelle das Darknet, etwa, um dort mit Waffen, Drogen oder Kinderpornographie zu handeln.
Die Polizei stellte nach der Tatnacht insgesamt 58 Patronenhülsen sicher - 57 davon stammen aus der Tatwaffe, eine aus einer Polizeiwaffe. Ein Zivilbeamter hatte auf David S. geschossen, als sich dieser auf dem Parkdeck des OEZ aufhielt, ihn aber verfehlt. Der 18-Jährige hatte sich später selbst getötet. Das hat die Obduktion bereits eindeutig ergeben. Mit diesen Erkenntnissen, so betonen die Ermittler, seien mögliche weitere Waffen oder sogar Verdächtige endgültig ausgeschlossen.
David S. hat seine Tat lange vorbereitet und sich dabei deutlich an anderen Taten orientiert. Vor einem Jahr ist er nach jetzigem Ermittlungsstand nach Winnenden gefahren, hat sich dort umgesehen und Fotos gemacht. 2009 hatte Tim K. an der dortigen Realschule und in der Umgebung 15 Menschen und sich selbst getötet. Die Ermittler sehen auch einen Bezug zu Anders Breivik, dessen Massenmord sich am Freitag zum fünften Mal gejährt hatte. S. habe online über Breivik recherchiert.
Außerdem befand sich David S. in psychologischer Behandlung. Der Schüler sei vergangenes Jahr für zwei Monate in stationärer Behandlung gewesen, er habe unter "sozialen Phobien" und Depressionen gelitten, hieß es von den Ermittlern. Begegnungen mit Fremden hätten ihn in Angstzustände versetzt. Bis zuletzt befand er sich demnach zudem in ambulanter Therapie. In der Wohnung seiner Familie wurden auch Medikamente sichergestellt.

War David S. ein Amokläufer oder ein Attentäter? Seine Tat lässt mehrere Schlüsse zu. Und erinnert doch an das Massaker des Anders Behring Breivik.
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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags hieß es, die Polizei hätte auf dem Rechner des Schützen auch das "Manifest" Breiviks, des Attentäters von Utoya und Oslo, gefunden. In diesem Punkt haben sich die Ermittler inzwischen korrigiert; dies entspreche nicht den Tatsachen.